Posts Tagged ‘Pressefreiheit’

18th November
2010
written by Tobias Blanken

Thierry Chervel im Perlentaucher:

Ein ungutes Schweigen umgibt den Fall der beiden deutschen Journalisten, die vom iranischen Regime mit Spionagevorwürfen ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie über die drohende Steinigung Sakineh Ashtianis berichten wollten. Am Montag wurden die beiden wie Kriegsbeute im iranischen Fernsehen vorgeführt. Getrennt voneinander antworteten sie auf Fragen. Was sie sagten, war nicht zu verstehen, der Ton ihrer Stimmen wurde vom Kommentar in Farsi überdeckt.

Warum soll die Öffentlichkeit die Namen eigentlich nicht wissen? Im Auswärtigen Amt bestreitet man, dass es eine Empfehlung der Diplomaten gebe, die Namen nicht zu nennen. Das Amt selber unterlasse die Nennung aus rein datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen, sagt ein Sprecher gegenüber dem Perlentaucher. Journalisten aber seien frei, die Namen zu nennen, es sei nur nicht üblich, das zu tun.

Aber kein Journalist, kein Medium, hat die Namen bisher ausgesprochen.

Ich erinnere mich an ähnliche Situationen in Frankreich. Wenn dort ein Regime Journalisten kidnappte, so wurden ihre Namen in der Regel fast in jeder Ausgabe der Abendnachrichten genannt – meist am Schluss der Sendungen: “Und übrigens, die Journalisten XY befinden sich nach wie vor in Haft.” So wird Druck auf die Regimes ausgeübt. Und Druck auf das eigene Außenministerium. Dieser Druck wird sehr stark von den Journalistenkollegen erzeugt, aus Solidarität mit den Kollegen, und sicher auch in der Hoffnung, dass sie irgendwie davon hören: zu Hause sind sie nicht vergessen.

Thierry Chervel: Die Logik der Beschwichtigung.

6th March
2008
written by Tobias Blanken

Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, dann könnte man herzlichst drüber lachen. Es ist in etwa so absurd, wie wenn Marc Dutroux zum Ehrenpräsidenten des europäischen Kinderschutzbundes ernannt wird:

MOSKAU – Zynismus in Reinkultur: Der tschetschenische Präsident ist in den Journalistenverband aufgenommen worden. Wegen seiner «Verdienste um die Pressefreiheit».

Auch unter den Medienschaffenden selbst ist die Aufnahme Kadyrows umstritten. Der Chefredaktor der regierungskritischen Moskauer Zeitung «Nowaja Gaseta», Dmitri Muratow, kündigte seinen Austritt aus der Vereinigung an.

«Ich werde nicht in einem Verband mit einem Menschenfresser bleiben», sagte Muratow, für dessen Blatt die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Politkowskaja hatte schonungslos über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet. Es hatte immer wieder Gerüchte gegeben, dass Kadyrow eine Mitschuld an ihrem Mord tragen könnte.

Mehr auf Ehre für einen “Menschenfresser”.