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Reinhard Mohr über die hiesige Fankurve von Mahmud Ahmadinedschad:
Iranische Oppositionelle als “Discomiezen” und “Strichjungen des Finanzkapitals” – was sich anhört wie Mullah-Propaganda, stammt aus den Webforen der deutschen Linken. In ihrer Bewunderung für das islamistische Regime sind sie sich mit ihrem schärfsten Gegner einig: den Neo-Nazis.
Oder: Warum bürgerliche Spießer Die Welt lesen. Und eben nicht die junge Welt.
Ein Tag im Leben einer nationalbolschewistischen Zeitung: Knut “die jüdische Lobby, Chrr” Mellenthin berichtet über Pakistan, Rainer “Topas” Rupp über einen Nato-Sondergipfel und Thomas “Weltklasserechercheur” Immanuel Steinberg über den Kaukasus-Konflikt. Damit die “an allem sind die Amis schuld” Texte auch den richtigen Flow kriegen und den Kapitalisten von Welt (USA, Israel, Westdeutschland) richtig ficken sorgt Ralf Fischer für die musikalische Untermalung. Bonjour Querfront!
Der Begriff der Volksfront dürfte bekannt sein. Im Normalfall wird in der Politikwissenschaft damit das Zusammengehen verschiedener linker Gruppierungen (meist zur Abwehr einer akuten Gefahr) beschrieben. Klassischerweise bezieht man sich bei diesem Begriff auf die 30′er Jahre, als Bündnisse zur Abwehr faschistischer und nationalsozialistischer Putsche geschaffen wurden, deren Protagonisten von der Komintern bis zu links-bürgerlichen Kräften reichten.
Die Querfront beschreibt hingegen das Zusammengehen von links- und rechtstotalitären Gruppierungen. Klassischerweise wird an dieser Stelle meist der Streik der BVG von 1932 erwähnt, zu dem die kommunistische Revolutionäre Gewerkschaftsopposition und die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation aufgerufen haben – KPD und NSDAP haben in friedlicher Eintracht gegen die da oben, die Bonzen und das System gekämpft.
Und nun frage ich mich, wie man es nennen soll, wenn Antitotalitäre und Kommunisten gemeinsame Sache machen. Mir ist bisher noch kein Begriff eingefallen; über Vorschläge würde ich mich sehr freuen.
Auch auf NPD-BLOG.INFO wird die Achse von italienischen Linksextremen und deutschen Rechtsextremen thematisiert, man erfährt in deren Artikel Querfront: Vermeintliche Linke auf Abwegen aber noch weitere rot-braune Schweinereien rund um den junge Welt Autoren und Mitarbeiter der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Jürgen Elsässer.
In dem Artikel heißt es u.a.:
Am 10. Oktober habe Elsässer im Berliner Hilton vor der Preußengesellschaft, in deren Beirat Fürst Ferdinand von Bismarck sitzt, über den `Angriff der Heuschrecken, Finanzkollaps, Zerstörung der Nation und globaler Krieg` gesprochen. Weiter heißt es: `Angesichts der auch in seinem Buch genannten Gefahren warb der linksnationale Elsässer bei den Altkonservativen für ein Bündnis von “Lafontaine bis Gauweiler” – das sei wichtiger als Gender Mainstreaming und der Einsatz für die “Transsexuellen in der Mongolei”. […] Nur die Linke und Teile der CSU (”Habe gewisse Sympathien für Stoiber”) verteidigten den “rheinischen Kapitalismus” noch. Ähnliches gelte für die immer stärker US-hörige deutsche Außenpolitik.`
Weiter wird in dem Artikel noch Elsässers Faible für die Querfront thematisiert, für welches er schon im April eine Menge Lob von der NPD bekam:
Bei einer Veranstaltung im Oktober soll Elsässer auf eine Publikumsfrage, ob seine Ansichten nicht eine Querfront mit Nationalisten bedeute, geantwortet haben: Querfront – na und? Nach Elsässers Ansicht werde die NPD heute nur aus Verzweiflung gewählt, weil die Linke keine nationale Politik habe. Und weiter: `Das deutsche Großkapital sei heute eine relativ friedliche Einrichtung, weil es mit Irak und Iran lieber Handel treiben möchte, anstatt Krieg zu führen. Es bremst die Kriegspläne der USA und sollte unterstützt werden`, so Elsässer einem Augenzeugenbericht zufolge.
Schließlich werden auf NPD-BLOG.INFO noch unbestätigte Gerüchte wiedergegeben, bei denen ich jedoch vorsichtig wäre. Schließlich schreiben auch Knut Mellenthin, Rainer Rupp und Jürgen Cain Külbel für die Zeitung; Jürgen Elsässer passt daher eigentlich wunderbar zu dem Blatt. Aber vielleicht geht Jürgen Elsässer sogar für die junge Welt zu weit:
Wie zu hören ist, geht Elsässers Kurs sogar der `Jungen Welt` mittlerweile zu weit. Elsässer gehe wohl Horst Mahlers Weg, so ein Kommentar aus dem JW-Umfeld. Mehrere Artikel Elsässers seien bereits angeblich von der Chefredaktion abgelehnt worden, heißt es.
Luisa Morgantini sitzt für die Partito della Rifondazione Comunista im Europaparlament. Dort gehört sie der “Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL)” an, in der auch die PDS bzw. DIE LINKE vertreten ist. Außerdem ist sie Vizepräsidentin des EU-Parlaments.
Und Frau Morgantini hat ein Faible für Israel. Besser gesagt: Frau Morgantini hat es sich zur Aufgabe gemacht, penetrant über Israel herzuziehen. Ihre Ergüsse sind dabei noch nicht einmal besonders geistreich, sie artikuliert im Normalfall einfach all das Ressentiment, welches in Europa über Israel die Runde macht.
Hier ein paar Auszüge aus ihrem neuesten Interview:
In Gaza lebt es sich wie in einem Käfig, die Menschen können weder ein- noch ausreisen. Am von der israelischen Armee kontrollierten palästinensisch-ägyptischen Grenzübergang Rafah sitzen Hunderte Menschen auf dem Trockenen. Der Grenzübergang Karni ist seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen für den freien Güterverkehr geschlossen.
Schuld daran ist natürlich – wie könnte es auch anders sein – die “Mauer”:
Annektiert wird zudem fruchtbares und besiedeltes Agrarland, das binnen drei Jahren nach israelischem Recht in israelischen Staatsbesitz gelangt. So liegen 65 Prozent der palästinensischen Stadt Belain jenseits dieser durch Israel errichteten Mauer, die Selbstmordattentate in Israel zwar erschweren, aber letztendlich nicht verhindern kann. Die Mauer ist ohnehin 2004 in einem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) als illegal bezeichnet worden. Sie und die israelischen Straßenblockaden sind eine Form der Apartheid. Mittlerweile ist das Westjordangebiet durchsetzt mit Siedlungen fanatischer jüdischer Siedler.
Und so geht es in einem durch. Der Schutzzaun hat in ihren Augen natürlich keinen Sinn, da er die Selbstmordattentate nur erschweren, aber nicht ganz verhindern kann. Eine frappierende Logik, nach der ich mich eigentlich auch gleich heute erschießen sollte, da ich eh irgendwann sterbe. Natürlich weiß die Frau auch, wie man den Nahostkonflikt lösen kann, und der Weg führt natürlich über Washington und die israelische Lobby:
Morgantini: Manchmal genügt es, wenn man die Wahrheit sagt: Die Besatzung des palästinensischen Gebietes fordert nämlich Tote auf beiden Seiten, Palästinenser als auch Israelis werden getötet. Auch aus diesem Grund ist die Okkupation für Israel nicht vorteilhaft. Man braucht eigentlich keine besonderen Maßnahmen gegen Israel zu fordern, da sich dieser Staat ja lediglich an das geltende Völkerrecht halten soll. Wir sollten jedoch darüber hinaus jegliche militärische Zusammenarbeit mit Israel beenden.
Frage: Welcher Teil der US-amerikanischen Wählerschaft hat Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf die US-Politik gegenüber Israel? Würden die USA nicht mit ihren unermesslichen Mitteln Israel in jeder Weise unterstützen, könnte dann eine gerechte Lösung eher in den Bereich des Vorstellbaren rücken?
Morgantini: Ein Regierungswechsel in Washington würde nichts ändern, da in den Reihen der Republikaner sowie der Demokraten eine bedingungslose Unterstützung für Israel existiert. Es wird sich erst dann etwas ändern, wenn die USA ihre Waffenhilfe in Milliardenhöhe an Israel einstellen.
Besonders originell ist auch dies nicht – fast jeder “Israelkritiker” fordert bekanntlich immer die Maßnahmen, die Israel den islamistischen Mörderbanden zum Fraß vorwerfen würden.
Wie gesagt, das Interview ist weder geistreich, originell oder irgendwie einer Auseinandersetzung wert. Das übliche Ressentiment, mehr nicht. Erwähnenswert ist es aber trotzdem, da sie das Interview keinem geringeren Blatt als der rechtsextremen “National-Zeitung” gegeben hat. Berührungsängste zwischen italienischen Kommunisten und deutschen Rechtsextremen gibt es scheinbar keine, schließlich kämpft man ja gegen die selben Feinde, wahlweise Israel, USA oder USrael – und Probleme an dieser neuen Achse wird sicher auch niemand anmelden. Weder DIE LINKE, die mit Luisa Morgantini in einer Fraktion sitzt und diese zur Vizepräsidentin des europäischen Parlaments gewählt hat, noch irgendwelche anderen europäischen Funktionsträger.
Ist schon komisch – die Vizepräsidentin des europäischen Parlaments lässt in einer rechtsextremen Postille ihrem Hass auf Israel freien Lauf und niemand wird sich dran stoßen.
Nachtrag I: Wer es sich unbedingt antun will, kann das Interview in voller Länge hier auf der Webseite der National-Zeitung nachlesen.
Nachtrag II: Ich freue mich sehr, mich geirrt zu haben. Zumindest in der DIE WELT wird die rot-braune Soße skandalisiert. Siehe Krisztina Koenen: Den Rechten gefällt”s.