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Wie dramatisch die Lage ist, erkennt man daran, dass das Staatsfernsehen das Feuer beschweigt.
Eine etwas älterer Beitrag der heute-Nachrichten über den Boykott der UN-Anti(?)-Rassismus-Konferenz:
Zu Beginn der Konferenz war der Boykott Deutschlands und der USA scharf kritisiert worden. “Ich bedauere zutiefst, dass einige sich entschlossen haben, beiseite zu treten”, sagte Ban in seiner Eröffnungsansprache. “Wir träumen davon, in eine neue Richtung zu gehen, jedoch bleiben zu viele von uns in der Vergangenheit verstrickt.”
Russland verurteilte den Boykott. Offenbar seien nicht alle Regierungen bereit, sich den wachsenden Herausforderungen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu stellen, sagte der russische Vize-Außenminister Alexander Jakowenko der Regierungszeitung “Rossijskaja Gaseta”.
Und ein neuer Beitrag auf DIE ZEIT über das brutale Schicksal der Wanderarbeiter in Russland:
An der Stirnwand des Stiftungsbüros hängt ein Plakat mit Fotos von spurlos verschwundenen Migranten. Da erscheint es schon als Glück, wenn einer im »Affenkäfig«, wie die Zelle auf den Polizeistationen genannt wird, wieder auftaucht. Denn immerhin lebt er noch. Es ist nahezu alltäglich, dass Migranten aus rassistischen Motiven ermordet werden. Auch innerhalb der Gastarbeiterclans, die ihre Territorien auf den Märkten der Stadt notfalls mit Gewalt verteidigen, ist der Blutzoll hoch. Hinzu kommen zahlreiche Arbeitsunfälle. Allein ins zentralasiatische Tadschikistan kehren jährlich 2000 Arbeitsmigranten im Sarg zurück.
Wladimir Kaminer über Frauen im Prenzlauer Berg, in Deutschland und Russland:
Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, dann könnte man herzlichst drüber lachen. Es ist in etwa so absurd, wie wenn Marc Dutroux zum Ehrenpräsidenten des europäischen Kinderschutzbundes ernannt wird:
MOSKAU – Zynismus in Reinkultur: Der tschetschenische Präsident ist in den Journalistenverband aufgenommen worden. Wegen seiner «Verdienste um die Pressefreiheit».
Auch unter den Medienschaffenden selbst ist die Aufnahme Kadyrows umstritten. Der Chefredaktor der regierungskritischen Moskauer Zeitung «Nowaja Gaseta», Dmitri Muratow, kündigte seinen Austritt aus der Vereinigung an.
«Ich werde nicht in einem Verband mit einem Menschenfresser bleiben», sagte Muratow, für dessen Blatt die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Politkowskaja hatte schonungslos über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet. Es hatte immer wieder Gerüchte gegeben, dass Kadyrow eine Mitschuld an ihrem Mord tragen könnte.
Mehr auf Ehre für einen “Menschenfresser”.
Die FTD zieht über Putins Regierungszeit Bilanz:
Zum Ende seiner Präsidentschaft gilt Wladimir Putin als der Mann, der Russland wieder stark gemacht hat. Doch die Geschichte vom Retter der Nation ist in Wahrheit ein Märchen.
Die Putinsche Märchenstunde wird von fünf Mythen getragen, die von der FTD folgendermaßen beschrieben werden:
Rotkäppchen und der Wolf erscheint dagegen wie ein Bericht aus dem Science Magazine, aber in der Phantasie ist ja bekanntlich alles möglich. Da kann auch eine Mangelwirtschaft mit geschlossenen Universitäten, Blackberry-Quoten und nicht vorhandenen Wahlbeobachtern als Schlaraffenland imaginiert werden. Man muss halt nur fest genug dran glauben. Und die Fakten verdrängen.
Die Autokratie in Russland konsolidiert weiter ihren uneingeschränkten Herrschaftsanspruch, jüngstes Opfer ist die Europäische Universität in St. Petersburg geworden. Jeff Weintraub schreibt hierzu folgendes:
The European University in Saint Petersburg has been the object of strident public attacks, and now it has been shut down on the basis of what looks to everyone like a transparently fraudulent pretext. [...]
The EUSP deserves the strongest possible international support from everyone committed the principles of academic & intellectual freedom and the defense of political liberty.
Weiter weist Weintraub auf eine Onlinepetition hin:
There is also a petition aimed at the international academic & intellectual community as a whole–academics, students, and other scholars & intellectuals: Letter of Support for European University at St Petersburg. Please read it and consider adding your signature.
Mehr über den Angriff auf die akademische Freiheit auf der Seite von Jeff Weintraub.
Nachtrag: Mittlerweile wurde eine Webseite (auf Englisch) gegen die Schließung der Universität ins Netz gestellt: Save the European University at St Petersburg. Siehe hierzu auch die Selbstdarstellung der Webseite.
Zwei Meldungen zur Integration und dem schulischen Erfolg von Zuwanderern, die ich so nicht erwartet hätte:
Einmal in Deutschland:
Dass Einwanderer aus Italien bei uns perfekt integriert sind, ist ein Vorurteil. In der Schule schneiden ihre Kinder am schlechtesten ab.
Zum Artikel: Nachhilfe aus der alten Heimat in der ZEIT.
Und dann in Israel:
Die Kinder aus den Familien, die einst aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel ausgewandert sind, zeigen bessere Schulleistungen als ihre Altersgenossen. Das hat eine Studie des israelischen Statistikamts ergeben.
Zum Artikel: Immigrantenkinder aus ehemaliger Sowjetunion sind besser in der Schule auf RIA Novosti.