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Aus einem 2008′er Interview (via) mit Sven Regener:
Und was heißt schon Kreuzberg? In Kreuzberg gab und gibt es doch ohne Ende Parallelwelten. Das ist doch so eine Mulitkulti-Lebenslüge: Ich habe in Kreuzberg nie einen Deutschen gekannt, der mit einem Türken befreundet gewesen war. Und in die Türkencafés, das nur mal als Beispiel, darf man oft gar nicht rein. Aber das macht ja nichts, die Leute müssen doch nicht den ganzen Tag Händchen halten, und wenn es einem nicht passt, zieht man weg.
Der ganze Kiez-Quark, das ist doch alles nur muffig. Und übrigens überhaupt nicht Frank Lehmanns Ding, falls das noch keinem aufgefallen ist. Denn wenn einer sagt, unser Kiez soll so und so sein, ist das die Voraussetzung dafür, dass einer totgeschlagen wird, wenn er nicht reinpasst.
Auf den Hinweis, dass im Prenzlauer Berg Zettel hängen, auf denen vor Schwaben gewarnt wird:
Habe ich noch nicht gesehen, kann aber sein. Es gibt immer Menschen, die Feindbilder brauchen. Früher hieß es in Kreuzberg auch öfter mal, die Scheißtouristen sollten abhauen. Ich habe mal erlebt, wie geborene Berliner auf der Wiener Straße als Touristen beschimpft wurden, und zwar von Leuten mit schwäbischem Akzent. Aber das ist kein Argument gegen die Schwaben. Wer gegen Schwaben ist, ist auch nur Rassist.
Und zur unseligen Gentrifizierungs-Debatte:
Soll man deshalb den Leuten verbieten, irgendwo hinzuziehen? Müssen wir deshalb für immer dort wohnen bleiben, wo wir geboren sind? Die Dinge, und damit auch die Wohnviertel, ändern sich. Das wäre nur dann schlimm, gäbe es sonst in Berlin überhaupt keine anderen Wohnungen mehr und die Leute müssten auf der Straße wohnen. Und was heißt ansonsten Alteingesessener? Ab wann hat man diesen Titel, was muss man dafür tun? Mein Gott, wir reden hier über Mietwohnungen. Da kann man ein- und ausziehen.
Das ganze Interview im TAGESSPIEGEL: “Wer gegen Schwaben ist, ist auch nur Rassist”.
Sven Regener im SPIEGEL-Interview über die Verbindung von Politik, Musik und Kunst:
Sicher, wir haben als Musiker Macht – über die Herzen der Leute. Aber will ich sie manipulieren? Denn das wäre ja das Prinzip: Die mögen meine Musik, und diese Zuneigung lenke ich ins Politische um. Aber sollte man Gefühl und Politik verquicken? Will man, dass die Frau, die man liebt, deswegen dann auch dieselbe Partei wählt? Das ist höchst fragwürdig. Rockmusiker können ein paar Parolen ins Publikum werfen und die Zuschauer können das abnicken, mehr nicht. Das ist rein affirmativ, also extrem unpolitisch. Wie kann es Politik geben ohne Debatte, Details, Kompromisse?
Das Interview im SPIEGEL: “Hat euch Rudi Dutschke nicht gereicht?”
Btw: 11 FREUNDE hat Regener vor Wochen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben interviewt: »Bremen ist Fun-Punk«